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Artikel - Meinungsbildung

Abgesang auf neue Werte

Judith Mair, «Flache Hierarchien sind nicht sexy», Judith Mair lässt New-Economy-Seifenblasen platzen.

durch Barbara Gärtner



Nüchtern. Hätte man nur ein einziges Adjektiv zur Verfügung, um Judith Mair zu beschreiben, es müsste wohl das Wörtchen "nüchtern" sein. Beim Reden kommt die zierliche Person schnell auf den Punkt, keine ausgreifenden Gesten, wenig große Worte. Sachlich, unprätentiös, schnörkellos, so wirkt sie. Gelegentlich wird die 30-jährige Kölnerin aber mit ganz anderen Worten bedacht. Dann fallen die gängigen Lieblingsvokabeln: jung, schön und clever. Dazu noch eines, das nicht in diese Aufzählung passt: hart.

"Die härteste Chefin Deutschlands" titelte eine Boulevardzeitung, als Judith Mair Ende letzten Jahres ein Buch veröffentlichte. Das Sachbuch "Schluss mit lustig!" ist eine Abrechnung mit jenen Slogans, die als Wegbereiter einer schönen neuen Arbeitswelt gefeiert wurden: flache Hierarchien, Teamarbeit, Soft Skills.

Eine Trillerpfeife ist auf dem Buchdeckel abgebildet; auf den knapp 180 Seiten räumt Mair in markigen Sätzen auf mit den Mythen der New Economy. Statt Mitsprache und Flexibilität fordert sie vermeintlich abgehangene Tugenden wie Leistung und Disziplin. "Was die Mitarbeiter brauchen, sind klare Vorgaben, eindeutige Ziele und ein Chef, der ihnen sagt, wo es langgeht." Garniert werden diese Zitate gerne mit harsch klingenden Beobachtungen aus dem Berufsalltag der Autorin. Mair, selbst Mit-Chefin eines Kommunikationsbüros, verbietet in ihrer Agentur jede Form von Privatgesprächen, Duzen und Überstunden. Stattdessen treten die Damen vom Büro "Mair und andere" in der Öffentlichkeit einheitlich in einem strengen Stewardessenkostüm auf, die Arbeitszeit ist klar geregelt, und die Chefin hat das letzte Wort. Ungewöhnliche Töne in einer Zeit, in der die Protagonisten beinahe jeder Fernsehserie Cocktails auf After-Work-Partys schlürfen und Selbstverwirklichung mit Arbeit gleichgesetzt wird. "War man früher Mitglied einer Band, um cool, reich und sexy zu wirken, reicht es heute in einem hippen Unternehmen zu arbeiten", erklärt die Autorin.

Auch Judith Mair, die wie die Stilikone der Fernsehserien, Sarah Jessica Parker, ein goldenes Namenskettchen um den Hals trägt, hat mit Freundinnen eine Agentur gegründet. "Wir wollten damals alles ganz anders machen, wir waren motiviert und wollten nur das Beste, haben dann aber festgestellt, dass wir stundenlang über die Farbe Grün oder eine bestimmte Formulierung eines Anschreibens diskutierten." Von Klarheit redet sie gerne. Und um eben jene Klarheit zu schaffen, hat die Diplomdesignerin einen Katechismus für ihre kleine Agentur geschrieben. Die fünf eng beschriebenen Seiten mit Regeln landeten rein zufällig natürlich auf einem Lektorenschreibtisch; der Verlag wollte daraus einen Arbeits-Knigge für das 21. Jahrhundert machen - mit einer Peitsche auf dem Cover.

Statt einem Manifest für preußische Tugenden, duftend nach dem Mief der 50er Jahre, ist aus dem Buch eher eine Anklage geworden. Eine Anklage an jene, die lautstark behaupten, Arbeit müsse Spaß machen und Überstunden seien schick. Das alles, so Mair, führe nur zu Selbstausbeutung, Selbstüberschätzung und Überforderung der vielen kleinen Ich-AGs, die ihre Nächte am Computer verbringen. Die Medien mögen Frau Mair jedenfalls gern, die Geschichte erzählt sich auch bestens: Junge Frauen in zackigen Kostümen, die die Büromöbel der Pleite gegangenen Wichtigtuer aufgekauft haben. Vergessen wird bei der Konzentration auf blondes Haar und provokante Thesen, dass manches davon wert wäre, ernsthaft zu diskutieren. Ganz nüchtern.


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